Es war der 25. Mai 1986, als im Nationalpark Hohe Tauern erstmals wieder ein Bartgeier-Paar freigelassen wurde. Dies war der Startschuss zu einem überaus erfolgreichen Wiederansiedelungsprojektes. Mittlerweile leben rund 500 Bartgeier in den Alpen.
Am 25. Mai 1986 wurde im Nationalpark Hohe Tauern ein Meilenstein gesetzt: Erstmals wurden wieder Bartgeier in die Freiheit entlassen – genau dort, wo heute das Herzstück der Wiederansiedlung im Alpenraum liegt. Der Nationalpark Hohe Tauern ist damit nicht nur Ausgangspunkt, sondern bis heute zentrales Rückgrat dieses international beachteten Artenschutzprojekts. Nachdem der Bartgeier zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgrund falscher Annahmen durch Verfolgung in den Alpen ausgerottet wurde, wurde in den 1970er-Jahren gemeinsam mit internationalen Partnern die Grundlage für seine Rückkehr geschaffen. Mit dem Aufbau eines europaweiten Zuchtnetzwerks gelang schließlich 1986 die erste Auswilderung. Seither wurden über 260 junge Bartgeier im Alpenraum freigelassen, davon 63 in Österreich – sämtliche Auswilderungen erfolgten im Nationalpark Hohe Tauern. Heute leben wieder rund 450 bis 500 Bartgeier in den Alpen.
„Gesundheitspolizei“ der Alpen
Der Bartgeier erfüllt eine einzigartige ökologische Funktion: Als spezialisierter Aasfresser ernährt er sich überwiegend von Knochen. Damit übernimmt er eine wichtige Rolle als „Gesundheitspolizei“ im Hochgebirge. Die Entwicklung im Nationalpark Hohe Tauern ist weiterhin äußerst positiv: Sechs Brutpaare sind aktuell im Gebiet aktiv. Davon haben fünf Paare gebrütet. Vier Bruten verliefen erfolgreich, ein Brutversuch wurde abgebrochen. Derzeit werden vier Jungvögel von ihren Elterntieren bestens betreut. Die ersten Flugversuche der Junggeier werden Anfang Juli erwartet. Das Wiederansiedlungsprojekt ist eines der erfolgreichsten Artenschutzprogramme Europas und basiert auf einer breiten internationalen Partnerschaft. Der Nationalpark Hohe Tauern übernahm seit Beginn eine zentrale Rolle – von der Auswilderung über das Monitoring bis hin zur wissenschaftlichen Begleitung. Ein bedeutender Meilenstein war die erste erfolgreiche Freilandbrut 1997 in Frankreich. In Österreich wurde 2010 erstmals ein Jungvogel in freier Wildbahn flügge: „Kruml“, geschlüpft im Rauriser Krumltal – jenem Tal, in dem die Wiederansiedlung ihren Ausgang nahm.