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07. Mai 2026

„Geopark“-Ausstellung erinnert an das große Friaul-Beben

Am 6. Mai vor 50 Jahren um genau 20.59 Uhr erschütterte ein Erdbeben der Stärken 6.5 (Richter-Skala) die Region Friaul. Das Beben, Nachbeben und ein erneut starkes Beben im September hinterließen Schutt, Zerstörung und forderten 1.000 Todesopfer und ca. 80.000 Mensch wurden Obdachlos. Eine Ausstellung im Geopark „Karnische Alpen“ erinnert an dieses einschneidende Ereignis, bei dessen Bewältigung auch Österreich eine wichtige Rolle spielte.  

Gerlinde Krawanja-Ortner eröffnete die Ausstellung zu 50-Jahre Erdbeben in Friaul. Foto: LPD/Oskar Höher

Heute sind die Spuren des großen Erdbebens in Friaul kaum mehr zu sehen, die Städte Gemona und Venzone wiederaufgebaut. Monumente erinnern noch an die Zerstörung vor 50 Jahren und den Zeitzeugen von damals hat sich dieses Ereignis tief in die Köpfe eingebrannt. Die Erschütterungen waren in ganz Norditalien sowie in den benachbarten Regionen Sloweniens und Österreichs, insbesondere auch in Kärnten, deutlich wahrnehmbar. So erinnert sich die Leiterin des Geoparks „Karnische Alpen“ und Initiatorin der Erdbeben-Ausstellung, Gerlinde Krawanja-Ortner noch lebhaft an dieses Ereignis: „Ich war im Mai 1976 knapp 10 Jahre alt und es war ein einschneidendes Ereignis. Nach dem ersten kurzen Beben bin ich zu meinen Eltern gerannt, um zu fragen was das ist und in diesem Moment sehe ich die Hauswand nach außen weichen. Ich habe in diesem Augenblick gedacht, jetzt stürzt das Haus ein. Mit meiner Mutter und meine Schwester habe ich danach wochenlang im Erdgeschoss geschlafen – aus Angst. Das sind Ereignisse, die man nicht vergisst“, erzählt Krawanja-Ortner, die mit der Ausstellung „Leben mit Naturgefahren“ an die Ereignisse in Friaul erinnern will. Das Thema ist aktueller als je zuvor: „Wir haben alle paar Jahre mit Stürmen, Überschwemmungen – jetzt das Feuer im Lesachtal – zu kämpfen. Diese Naturereignisse fordern uns und das wollen wir mit der Ausstellung in Erinnerung rufen.

Erstes Zusammenrücken

Erinnert wurde auch an den großen Katastrophenhilfseinsatz in der Region Friaul, bei dem sich die beiden Staaten Österreich und Italien nur wenige Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg wieder weiter angenähert haben. „Wir waren vom Krieg her verfeindete Länder. Um vom Feind zum Nachbarn zu werden, sind viele Puzzleteile nötig, die ineinandergreifen müssen. Unsere Bereitschaft, schon am nächsten Tag an Ort und Stelle zu sein, um zu helfen, war ist eines dieser Puzzleteile“, sagte LH Daniel Fellner. Aus dem damaligen Hilfseinsatz sei eine bis heute bestehende grenzübergreifende Solidarität entstanden. Es war auch der erste große Auslandseinsatz des Österreichischen Bundesheeres nach 1955 mit rund 700 Soldaten, die mit Bagger, Planierraupen, Feldküchen oder Brückenbaumaterial anrückten. Von Kärnten waren die Soldaten des Pionierbataillons 1/Villach vor Ort. Viele freiwillige Feuerwehren aus Kärnten rückten mit Mann und Tankwagen an, um Trümmer zu beseitigen, Notunterkünfte aufzubauen oder die Menschen mit Wasser zu versorgen, mit Treibstoff oder Sanitärlösungen.

Großes Interesse an Ausstellung

Die Ausstellungs-Eröffnung im Kultursaal Dellach genoss große Aufmerksamkeit: Neben den Bürgermeistern der Region, wie Johannes Lenzhofer, Ronny Rull, Markus Salcher, Josef Zoppoth und Karoline Turnschek, nahm auch LH und Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner sowie der Leiter der Wasserwirtschaft Hannes Poglitsch, LAG-Manager Friedrich Veider oder der Bezirksleiter des Zivilschutzverbandes Balthasar Mitterer, daran teil. Grußworte spendete der Nationalratsabgeordnete Wendelin Mölzer. Verbunden war die Gedenkveranstaltung heute mit einer Lesung von Esther Kinsky aus ihrem preisgekrönten Roman „Rombo“, der das historische Ereignis in Friaul aus der Perspektive von Mensch-, Tier- und Pflanzenwelt in einer hochpoetischen Prosa beschreibt. Die Ausstellung ist noch bis Mitte Oktober im Geopark-Zentrum (Dellach/Gail) zu sehen. Im Mai und Juni gibt es noch weitere Veranstaltungen und Wanderungen zum Thema Erdbeben.

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