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07. Mai 2026

Landesrätin Eva Pawlata über die Rolle der Frau

Die Landesrätin spricht über die Rolle der Frau in Tirol, Benny Karl, Drogenprobleme bei Kindern und Jugendlichen sowie über Schwangerschaftsabbrüche.

Chefredakteur Michael Egger traf die Landesrätin in ihrem Büro im Landhaus. Fotos: Osttiroler Bote

Sie waren kürzlich bei der Jubiläumsfeier des Frauenzentrums in Lienz. Welche Eindrücke haben Sie mit ins Landhaus genommen?
Osttirol hat eine sehr lebendige soziale Szene – und insbesondere eine sehr lebendige Frauenszene. Das Frauenzentrum ist ein super Beispiel dafür, wie Frauen- und Gleichstellungsarbeit funktionieren kann. Der Schwerpunkt liegt auf dem Opferschutz – aber auch die Mädchenberatung und die Gleichstellung sind wichtige Punkte.  

Wie geht es den Osttiroler Frauen im Vergleich zu den Frauen in anderen Bezirken?
Frauen haben überall generell ähnliche Probleme – vor allem, was das Thema Gleichstellung angeht. Die Themen sind überall dieselben, etwa Teilzeit oder Kinderbetreuung. Es geht um Dinge, die Frauen ein Stück weit darin bremsen, für ein Erwerbseinkommen zu sorgen, womit sie unabhängig sind.

Es gibt also keine Unterschiede?
Natürlich spürt man diese Themen in Regionen, die ein bisschen ländlicher sind, noch einmal mehr. Aber speziell beim Thema Gleichstellung wird in Osttirol gut gearbeitet – vom Regionalmanagement Osttirol gibt es viele Initiativen und Projekte. 

Das Thema habe ich kürzlich auch mit Landesrätin Cornelia Hagele besprochen: In Tessenberg gab es ein Kinderbetreuungsprojekt, das an der Nachfrage scheiterte. Wollen die Osttiroler Mütter nicht doch lieber zuhause bleiben?
Es hat ein Angebot gegeben – aber die Nachfrage nicht. Muss man sich dann gleich diese Frage stellen? Die Frage sollte man nicht den Müttern stellen – sondern den Eltern und Familien. Es braucht ein Aufbrechen der Rollenbilder.

Wie kann das gelingen?
Die Frauen müssen die Möglichkeit haben, Vollzeit arbeiten zu gehen – gestützt durch ihre Partner und durch ihre Familien. Und es ist auch Aufgabe der Väter, ihre Frauen so zu unterstützen, dass sie in die Arbeit gehen können. Wir wissen nämlich, dass finanzielle Unabhängigkeit vor Altersarmut schützt. 

Über das Thema spricht gerade der ganze deutschsprachige Raum. Grund dafür ist eine Passage des „Mindgames“ Podcast, bei dem Olympiasieger Benny Karl zu Gast war. Haben Sie die Debatte mitbekommen?
Natürlich.

Was geht Ihnen dabei durch den Kopf? 
Ich habe für die Aussagen wenig Verständnis. Wir wissen, dass finanzielle Unabhängigkeit vor Altersarmut schützt. Diese Selbständigkeit wird im Optimalfall durch den Partner gestützt. Das Problem ist ein in der Gesellschaft verankerter Stereotypen, wo es heißt, dass die Frau daheimbleiben soll. Auch wenn Benny Karl sportlich viel geschafft hat – das ist eine vorsintflutliche Einstellung. 

Stichwort Chancengleichheit: In Osttirol hört man oft das Argument, dass es Frauen ohnehin weit bringen. Die Bezirkshauptfrau, die Lienzer Bürgermeisterin oder die Managerin der Felbertauernstraße AG sind einige Beispiele. 
Ich kann das Argument nicht nachvollziehen. Ja, es gibt eine tolle Bezirkshauptfrau – und eine tolle Stellvertreterin. Ja, es gibt eine tolle Bürgermeisterin. Ja, es gibt eine tolle FAG-Managerin. Es ist ganz wichtig, Frauen vor den Vorhang zu holen. Aber in Österreich sind etwa nur 8 Prozent der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister weiblich. In Osttirol sind es wahrscheinlich weniger…

Das gesamte Interview finden Sie in der aktuellen Print-Ausgabe des Osttiroler Boten. 

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