Skip to main content
17. April 2026

Frau Landesrätin, können Sie noch ruhig schlafen?

Landesrätin Cornelia Hagele spricht im Interview über die medizinische Versorgung in Osttirol. Wir konfrontierten sie mit Beschwerden über das Lienzer Spital und die Ausbau-Pläne. 

Landesrätin Cornelia Hagele. Foto: Land Tirol/Sedlak

Der ORF berichtete kürzlich über hierarchische Konflikte und Behandlungsfehler im BKH Lienz. Können Sie noch ruhig schlafen, wenn Sie an das Lienzer Spital denken?
Solche Berichte können verständlicherweise verunsichern, gerade wenn es um die eigene Gesundheit oder die von Angehörigen geht. Zugleich ist es wichtig, differenziert zu bleiben. Die große Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im BKH Lienz leistet täglich engagierte und verantwortungsvolle Arbeit unter oft anspruchsvollen Bedingungen. Pauschales Misstrauen gegenüber einer gesamten Einrichtung wäre daher ebenso wenig angebracht wie das Ignorieren berechtigter Kritik. Sinnvoll ist es, Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen, bei Bedarf das Gespräch mit medizinischem Personal oder offiziellen Stellen zu suchen und auf eine offene, sachliche Auseinandersetzung zu setzen, die letztlich der Qualität der Versorgung dient.

Ich kann mich an einen Sportunfall in meiner Teenagerzeit erinnern. Damals wollte man mich nach der Untersuchung mit gebrochenem Unterarm mit Salbe und Dreiecktuch heimschicken. Schlussendlich gab es doch ein zweites Röntgenbild und einen Gips. Wie kann man das Fehlermanagement verbessern?
Ich bin keine Ärztin, und natürlich ist klar: Wo Menschen arbeiten, können Fehler passieren. Entscheidend ist aber, wie ein System damit umgeht. Im Gesundheitswesen darf es nicht dabei bleiben, Fehler als bedauerliche Einzelfälle abzutun. Wir brauchen eine echte Fehlerkultur: klare Standards, transparente Aufarbeitung und Rahmenbedingungen, die medizinisches Personal entlasten, statt es dauerhaft unter Druck zu setzen. Bei der großen Zahl an Patientinnen und Patienten, die täglich in unseren Krankenhäusern versorgt werden, ist der Anteil schwerwiegender Fehler insgesamt gering.

Ein konkretes Problem im Krankenhaus dürfte der Personalmangel sein. Schaut man sich auf der Website die offenen Stellen an, dürfte das Problem nicht wegzudiskutieren sein.
Wir sind gerade ganz intensiv daran, Leute auszubilden. Gerade im Pflegebereich haben wir derzeit in Tirol 2.600 Leute, die in Ausbildung sind – so viele wie noch nie. Wir haben in allen Bezirken, allen Schulformen Pflegezweige, und wir haben die Pflegelehre. Wir haben auch bei den medizinischen Studien sehr hohe Bewerbungen erzielt. Die Attraktivität eines Hauses und einer Region hängt natürlich immer von sehr vielen Faktoren ab.

Das Land Tirol vergibt widmete Studienplätze. Das heißt: 1.000 Euro monatlich für Medizin-Studierende, wenn sie danach das BKH Lienz gehen. Ist Geld ein Argument für junge Mediziner, um nach Osttirol zu gehen?
Was wir dringend brauchen, sind ausreichend Ausbildungsplätze und gute Perspektiven vor Ort. Wir müssen dafür sorgen, dass genau jene Disziplinen und Standorte, in denen wir Ärztinnen und Ärzte besonders dringend brauchen, auch attraktiv sind – in der Ausbildung, in den Arbeitsbedingungen und in den Entwicklungsmöglichkeiten. Die gewidmeten Studienplätze sind ein Anreiz davon.

Das gesamte Interview lesen Sie in der aktuellen Printausgabe des Osttiroler Boten. 

Kommentar verfassen

Sie können nun auf das Kommentar von "Some User" antworten.