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17. März 2026

Ramadan und "Faste" – die Gemeinsamkeiten

Die Fastenzeit der Christen und der Ramadan des Islam fallen heuer zusammen. Yasemin Yürekli aus Nußdorf-Debant und Maria Mascher-Jans aus Anras verzichten. Was die beiden verbindet. 

Maria Mascher-Jans und Yasemin Yürekli sprachen mit dem Osttiroler Boten übers Fasten. Fotos: Michael Egger

„Um 16 Uhr beim Joast?“, schrieb ich Yasemin. Ihre Antwort kam kurz darauf: „Gerne“, antwortete sie, „aber ich konsumiere nichts“. Yasemin Yürekli (32), Österreicherin, Muslimin, fastet. Und sie erklärte sich bereit, mit uns über die Fastenzeit ihrer Religion zu sprechen. Genauso wie Maria Mascher-Jans aus Anras. Sie ist Christin, Pfarrkoordinatorin, und fastet auch. Die beiden Frauen sind mitten in der Fastenzeit – für Yasemin läuft sie noch bis zum Fest des Fastenbrechens am 19. März, für Maria bis zum Ostersonntag am 5. April. Dass beide Frauen gerade zur gleichen Zeit fasten, kommt nicht jedes Jahr vor. Heuer überschneiden sich Ramadan und die christliche Fastenzeit über mehrere Wochen. Während sich der Ramadan nach dem islamischen Mondkalender richtet und deshalb jedes Jahr etwa zehn Tage früher beginnt, orientiert sich die christliche Fastenzeit am Ostertermin.

Etwas Kleines vor Tagesbeginn

Yasemin ist Osttirolerin. Sie wurde hier geboren, und wuchs hier auf. Ihr Vater kam in den 1970er-Jahren als Gastarbeiter-Kind nach Nordtirol, und lernte später bei einem Türkei-Aufenthalt in Gazi Antep seine Frau kennen. Gemeinsam gründeten sie hier Familie. „Das ist unsere Heimat“, sagt sie. In ihrer Heimat lebt sie auch den muslimischen Glauben aus. „Ich bin gläubig, und halte mich an die fünf Glaubensgrundsätze.“ Das sind: das Glaubensbekenntnis (Schahada), das Gebet (Salah), die Almosen (Zakat), das Fasten (Saum) und die Pilgerfahrt (Haddsch). Saum heißt, dass man 30 Tage zwischen Morgendämmerung und Sonnenuntergang auf Essen und Trinken verzichtet. Dazu zählen auch Wasser und Kaffee. Doch wie kann man sich das im Alltag vorstellen? Gegen 4.30 Uhr isst Yasemin etwas Kleines. „Eine Avocado, Ei, Joghurt oder Obst zum Beispiel“, sagt sie. Untertags hält sie durch: „Es passiert viel im Kopf. Man entwickelt Disziplin und denkt dann gar nicht so viel an Essen.“ Am Abend, kurz nach 18 Uhr, kocht man in der Familie gemeinsam – und isst. „Aber nicht übertrieben“, so Yasemin Yürekli.

Weniger Medienkonsum

Maria Mascher-Jans ist auch Osttirolerin. Sie wurde in Kals a.G. geboren – und gründete in Anras Familie. Sie ist Bäuerin, hat vier Kinder und engagiert sich in der Kirche. Auch sie fastet – ganz bewusst: „Ich habe mir vorgenommen, mich mit Süßigkeiten zurückzuhalten.“ Dass es am Aschermittwoch und Karfreitag kein Fleisch gibt, ist eine Selbstverständlichkeit. „Aber wir verzichten auch im restlichen Jahr großteils auf Fleisch an den Freitagen.“  Aber Maria sagt auch, dass Essen und Trinken in ihrer Fastenroutine gar nicht im Mittelpunkt stehen. „Für mich ist die Faste ein Weniger vom allem, auch vom Medienkonsum.“ Fernsehgerät gibt es auf ihrem Hof in Unterried sowieso keinen, und auch das Handy wird in der Fastenzeit immer öfter weggelegt. Weil sie auf das Smartphone beruflich und auch in ihrer Funktion als Kommunalpolitikerin nicht ganz verzichten kann, reduziert sie die Bildschirmzeit bewusst. „Vor allem wenn meine Leute da sind, lege ich es bewusst weg.“

Den gesamten Beitrag lesen Sie in der aktuellen Print-Ausgabe des Osttiroler Boten.

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