Ingeborg Bachmann (1926–1973) zählt zu den bedeutendsten Autorinnen der europäischen Literatur nach 1945. Auch in Hermagor und Umgebung finden sich „Spuren“ der Weltkärntnerin.
Von Karl Brunner
Sie wurde durch einen Auftritt vor der Gruppe 47 im Jahr 1952 bekannt und erhielt für ihre Gedichtbände, Hörspiele und Prosawerke zahlreiche Auszeichnungen. Sie lebte nach Aufenthalten in München und Zürich viele Jahre in Rom, wo sie - im Alter von 47 Jahren – am 17. Okt. 1973 starb. Im heurigen Bachmann-Jahr (100. Geburtstag) finden erneut viele Lesungen, Diskussionen, Ausstellungen, Würdigungen bzw. Gedenkveranstaltungen statt, erwähnt seien hier auch der Ingeborg-Bachmann-Preis, der heuer zum 50. Mal vergeben wird. Viele Orte erinnern an die Philosophin, Schriftstellerin und Lyrikerin Bachmann, darunter das Bachmann-Gymnasium, das Musil-Haus und das Bachmann-Haus in Klagenfurt.
Verbindungen ins Gailtal
Bachmann wurde am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren. Sie war das erste Kind von Olga (geb. Haas) und Matthias Bachmann. 1928 kam Schwester Isolde (Moser) zur Welt, 1939 Bruder Heinz. Die Mutter ist eine gebürtige Niederösterreicherin. Der Vater stammte aus einer protestantischen Bauernfamilie in Obervellach bei Hermagor und war Lehrer. Die Familie verbrachte die Sommerferien und Wochenenden häufig in Obervellach, wo sich das Elternhaus des Vaters befindet. Nicht weit davon entfernt steht das alte „Honditschkreuz“. So lautet auch der Titel ihrer historischen Novelle („Das Honditschkreuz“), die sie als Achtzehnjährige schrieb. Am „Honditschkreuz“ ist folgende Inschrift zu lesen: „Am 18. Sept. des Jahres 1813 wurde hier ein französischer Krieger von österreichischen Soldaten erschossen und allda begraben. Requiescat in Pacem“. Die Geschichte berichtet vom kurzen, unglücklichen Leben des Kärntner Bauernsohnes Franz Brandstetter, der, im Konflikt zwischen dem, was er als Student der Theologie für seine Berufung hält und der erotischen Faszination, die zwei Frauen auf ihn ausüben, einen dritten Weg einschlägt und sich gegen die napoleonische Besatzung ergeben. Das Motiv Freiheit kündigt sich bereits in dieser Erzählung aus dem Jahr 1944 an. Wie Ingeborgs Bruder Heinz schreibt, machte sie aus ihrer Recherche über das Honditschkreuz „ein Dokument, das die Toleranz gegenüber der slowenischen Minderheit und die Tragik des Krieges in den Vordergrund stellt“. Ein weiteres frühes Werk mit Gailtal-Bezug ist auch Bachmanns „Kriegstagebuch“ (mit Briefen von Jack Hamesh an Ingeborg Bachmann).
Gegen den Krieg
In Hermagor gibt es den Verein „Bachmann Junior Preis Hermagor“, der sich der literarischen Frühförderung (Thema 2026: „Ich bin immer ich“) widmet. In Hermagor befindet sich noch nicht sehr lange nun eine Bachmann-Passage, am Boden dort ist in weißer Schrift der Großteil des Gedichts „Heimweg“ zu lesen. An der Wand informiert eine Tafel über I. Bachmann („Ein Leben zwischen Literatur und Leidenschaft“), darauf heißt es auch: „...Sie trat sehr vehement für die Emanzipation und Selbstbestimmung der Frauen ein, engagierte sich in gesellschaftlichen Dingen und prägte den Diskurs über Sprache, Identität und Macht“. Auch eigene Führungen unter dem Motto „Bachmanns Kinder- und Jugendjahre in Obervellach“ (von Autor und Guide Bernhard Gitschtaler) werden angeboten. Ein Ingeborg-Bachmann-Gedenkbrunnen befindet am Dorfplatz in Obervellach, gestaltet wurde er vom Bildhauer Herbert Unterberger. Vor dem GailtalMuseum in Möderndorf befindet sich eine Ingeborg Bachmann-Kuppel (von Armin Guerino) und auch ein Ingeborg Bachmann-Raum wird im Museum eingerichtet. „Ich will, dass der Krieg ein Ende nimmt“, dieser Satz aus ihrem Roman „Malina“ könnte als Motto über ihrem Werk stehen, erfährt man im Robert Musil Literatur Museum (Klgft.), wo ihr „Schreiben gegen den Krieg“ ins Zentrum der Betrachtung gerückt wird. Ein berühmtes Bachmann-Zitat: „Hätten wir das Wort, hätten wir die Sprache, wir bräuchten die Waffen nicht“. Noch bekannter ist wohl dieses Wort: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“. Bachmann zählt zu den einflussreichsten, faszinierendsten Persönlichkeiten der deutschsprachigen Literatur, ihre Werke sind ungemein vielschichtig und von ungebrochener Strahlkraft.